Abendgymnasium Stuttgart

Schüler Kurzinterviews

Ümit Yalcin

Ümit Yalcin lernte ursprünglich den Beruf des Fahrlehrers. Die „eisernen Nerven“, die er sich – wie er selbst scherzhaft sagt – für seinen Job zugelegt hat, waren sicherlich auch für den erfolgreichen Abschluss des Abendgymnasium hilfreich.
Mittlerweile studiert der 30-Jährige im dritten Semester Wirtschaftsingenieurwesen für Bau und Immobilien.
Der gebürtige Stuttgarter mit türkischen Wurzeln ist vor fünf Monaten zum ersten Mal Vater geworden.





Was hat Sie dazu bewogen, das Abitur nachzuholen?

Da ich einen Migrationshintergrund habe, konnten meine Eltern mir in der Schule leider nicht viel helfen. Ich hatte einen schlechten Start und kam auf die Hauptschule. Nach der 7. Klasse konnte ich auf die Realschule wechseln. Nach der Schule absolvierte ich eine Ausbildung zum Bürokaufmann und nach paar Jahren eine zweite Ausbildung zum Fahrlehrer.
Nur mit vielen kleinen Schritten konnte ich mich weiterentwickeln. Kurz gesagt, ich möchte für meine Kinder ein Vorbild sein und zeigen, dass wenn man den Glauben, den Mut und das Können hat, man es trotz eines schlechten Starts zu etwas bringen kann.

Wenn Sie auf die Zeit zurückschauen. Was ist für Sie die eindrücklichste Erfahrung gewesen?
Am eindrücklichsten ist mir im Gedächtnis geblieben, wie engagiert die Lehrer sind. Wie jeder Mensch hatte ich auch Höhen und Tiefen in der Schule. Dank der moralischen und unermüdlichen Unterstützung stand ich schnell und gestärkt immer wieder auf und kämpfte weiter.

Wie lassen sich Beruf und Abendschule unter einen Hut bringen?

Nicht besonders einfach, nach acht Stunden Arbeit nochmal die Schulbank zu drücken. Eine zweite Belastung ist die fehlende Zeit mit der Ehefrau und Familie. Zum Glück wurde ich von meiner Familie immer sehr unterstützt.

Was würden Sie jemandem raten, der sich überlegt, ob er diesen Weg einschlagen soll oder nicht?
Die Schulzeit war trotz allen Höhen und Tiefen eine meiner schönsten Erfahrungen. Meiner Meinung nach gibt es nichts Besseres, als sein Spektrum zu erweitern, um Zusammenhänge im Leben besser verstehen zu können. Ich denke, es gibt keinen, der so viel Werbung macht wie ich, weil ich sehr überzeugt bin.

Wieso ist es Ihrer Meinung nach wichtig, das Abitur zu machen?
Weil es nichts Schöneres gibt als Bildung! Das kann kein Mensch dir wegnehmen und ist unbezahlbar. Außerdem öffnet Bildung viele Türen im Berufsleben. Ich bin auch selbstbewusster geworden.

Wie haben Sie sich selbst motiviert?
Die beste Motivation kommt von innen. Ich muss nicht, ich gehe freiwillig! Das hat meine Einstellung verändert: Mich zwingt keiner, das Abi zu machen, daher bin ich sehr gerne in die Schule gegangen. Man hat sehr gute Freunde gefunden. Die Atmosphäre am Abendgymnasium war super.

Welche Ziele haben Sie jetzt?

Mein nächstes Ziel ist, mein Studium zu beenden.


Christian Schlabbers

Christian Schlabbers ist 30 Jahre alt.
Seit dem Herbstsemester 2014 studiert der gebürtige Karlsruher in Gießen den Kombinations-Studiengang Geschichts- und Kulturwissenschaften mit den Fächern Philosophie, Politikwissenschaft und Soziologie.
Sein Abi hat er mit der Gesamtnote 1,7 absolviert.





Was hat Sie dazu bewogen, das Abitur nachzuholen?

Ursprünglich hatte ich den Plan gefasst, nach meiner Dienstzeit bei der Bundeswehr den Beruf des Berufshubschrauberpiloten zu ergreifen. Dieser Plan hat sich allerdings in den letzten Jahren in Luft aufgelöst. Die persönlichen Prioritäten haben sich ganz einfach geändert. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, das Abitur nachzuholen.

Wie lange waren Sie am Abendgymnasium?
Ich war nur zwei Jahre am Abendgymnasium Stuttgart, da ich bereits auf meinem alten Gymnasium die Versetzung in die 12. Klasse erlangt habe.

Wenn Sie so auf die Zeit zurückschauen. Was ist für Sie die eindrücklichste Erfahrung gewesen?
Die eindrücklichste Erfahrung für mich war, dass Lernen tatsächlich Spaß machen kann. Aufgrund der Tatsache, dass am Abendgymnasium nur Mitschüler anzutreffen sind, die sich alle freiwillig dazu entschlossen haben, einen höheren Schulabschluss zu erwerben, ist ein sehr angenehmes und positives Arbeiten möglich. Auch die Lehrer sind entsprechend motiviert, uns Schülern Wissen zu vermitteln.

Wie lassen sich Beruf und Abendschule unter einen Hut bringen?
Schwierig, aber machbar. Ein Chef, der einen hier und da Freiräume einräumt, ist sehr hilfreich. Ich, als noch nicht Verheirateter ohne Kinder, hatte es aber definitiv leichter, wie manch andere oder anderer. Und auch die haben es geschafft. Viel Freizeit hat man offen gestanden aber auch nicht mehr. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Was würden Sie jemandem raten, der sich überlegt, ob er diesen Weg einschlagen soll oder nicht?
Sofern derjenige einen Beruf in Vollzeit ausübt, sollte er, wenn möglich, mit seinem Chef über flexible Lösungsmöglichkeiten sprechen.
Ansonsten kann ich nur jedem raten, seine Arbeits- und Schulwoche von Anfang an klar zu strukturieren und wenn möglich etwas vorzuarbeiten.
Da es zum Abitur hin nochmal etwas anzieht, geht einem sonst die Luft aus.

Wieso ist es Ihre Meinung nach wichtig, das Abitur zu machen?
Abgesehen von dem in unserer Gesellschaft existierenden Schubladendenken kann nur ein Abitur, und noch dazu ein halbwegs passables, einem beruflich alle Türen offen halten. Wer sich diese Optionen erhalten will, kommt ums Abitur nicht herum. Wer allerdings schon in jungen Jahren ein klares Ziel vor Augen hat, für das er kein Abitur benötigt, könnte meiner Meinung nach auch darauf verzichten. Hier sollte man sich seiner Pläne jedoch sehr sicher sein.

Wie haben Sie sich selbst motiviert?
Aufgeben kam für mich nie in Frage. Zusätzlich haben meine Freundin, die ebenfalls das Abendgymnasium besuchte, und ich uns gegenseitig motiviert. Aber auch das bereits erwähnte positive Arbeitsklima war eine gute Motivation. Alle hatten ein gemeinsames Ziel!

Was war Ihr Lieblingsfach?
Für mich sehr überraschend war es das Fach Deutsch. Früher ist es mir immer sehr schwer gefallen, mehr als zwei oder drei Seiten zu Papier zu bekommen. Wie und warum sich das gewandelt hat, kann ich selber nicht sagen. Auf jeden Fall war die Erfahrung des erfolgreichen Schreibens sehr befriedigend. Außerdem hat das Abendgymnasium mit Herrn Beck den absolut besten Lehrer zu bieten, den ich je kennengelernt habe.


Heidi Ziegler

Die gebürtige Siebenbürgerin hat neben dem Besuch des Abendgymnasiums nicht nur abwechselnd im Verkauf und in der Gastronomie gearbeitet, sondern sich auch noch um ihre Kindern gekümmert.
Mittlerweile studiert die 31-jährige Geschichte der Naturwissenschaft und Technik/Germanistik an der Uni Stuttgart.






Was hat Sie dazu bewegt, das Abitur nachzuholen?

Mein Hauptbeweggrund war, dass ich mich nicht mehr wie ein Mensch zweiter Klasse fühlen, behandeln und bezahlen lassen wollte. Ich habe einen Hauptschulabschluss gemacht und bin dann erst einmal, weil zwingend nötig, arbeiten gegangen. Neben meinen Anstellungen habe ich jedoch weiterhin die Schule besucht und auf dem 2. Bildungsweg zunächst meinen Realschulabschluss und anschließend mein Abitur gemacht.

Wie lange waren Sie am Abendgymnasium?
Ich war nur zwei Jahre am Abendgymnasium, da ich davor schon am Kolping Kolleg unterrichtet worden bin. Ich konnte die Schule dort nicht beenden, da der Unterricht tagsüber stattfindet und das mit den Betreuungszeiten für meine Stieftochter nicht in Einklang zu bringen war.

Wenn Sie auf die Zeit zurückschauen. Was ist für Sie die eindrücklichste Erfahrung gewesen?
Ich habe durch die Lehrkräfte am Abendgymnasium sehr viel Selbstbewusstsein wiedererlangt.
Durch die Begegnung auf Augenhöhe war ein sehr viel effektiveres und auch intensiveres Lernen möglich.

Wie lassen sich Beruf und Abendschule unter einen Hut bringen?
Ich hätte dies ohne die Unterstützung meines Mannes und meiner Familie nicht geschafft. Dennoch gab es oft Tage des Zweifelns. Dies ist jedoch vollkommen normal, mit oder ohne Beruf, mit oder ohne Kind. Eine penible Organisation des Tagesablaufs ist in beiden Fällen unumgänglich.

Was würden Sie jemandem raten, der sich überlegt, ob er diesen Weg einschlagen soll oder nicht?
JA, mach das unbedingt!!! Bildung ist wichtig, egal aus welchen Beweggründen. Ich würde jedem raten, diesen Weg einzuschlagen. Man gewinnt nur!

Wieso ist es Ihre Meinung nach wichtig, das Abitur zu machen?
Abgesehen von den offensichtlichen Faktoren wie einer besseren Ausbildung, der Möglichkeit zu studieren und sich in diesem Rahmen immer weiterbilden zu können, ist das Abitur vor allem eine Bereicherung für das eigene Selbstverständnis. Es ist der Beweis dafür, dass man unter widrigen Umständen, unter starkem Druck und vielleicht auch schon etwas in die Jahre gekommen, dennoch Leistung bringen kann. Alleine diese Erfahrung ist es Wert, gemacht zu werden.

Wie haben Sie sich selbst motiviert?
Als Jugendliche war ich schwer krank. Lange Zeit war nicht klar, ob und mit welchen möglichen Einschränkungen ich wieder gesund werden würde. Das Abitur ist für mich persönlich der schriftliche Beweis, dass ich wieder gesund bin und Energie und Lebenskraft habe.


Meriton Tafaj

1992 kam Meriton Tafaj als Vierjähriger aus dem Kosovo nach Deutschland. Nach der mittleren Reife absovlierte er eine Ausbildung als Industriemechaniker bei der Daimler AG. Anschließend wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Jugend- und Auszubildendenvertretung gewählt. Später wurde er Vorsitzender in Stuttgart-Untertürkheim und auch zum Vorsitzenden der Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung der Daimler AG deutschlandweit gewählt.





Was hat Sie dazu bewegt, das Abitur nachzuholen?
Ich wollte mir und jedem anderen beweisen, dass man auch wenn man keinen geebneten Weg vor sich hatte, ebenfalls ein gutes Abitur machen kann. Außerdem wollte ich schon immer studieren, nur wusste ich nie, ob ich das schaffen kann. Als ich dann Abschluss für Abschluss besser geworden bin und sich auch meine Deutschkenntnisse verbesserten, habe ich genug Mut und Kraft gehabt, diesen Traum zu leben.

Wenn Sie so auf die Zeit am AG zurückschauen. Was ist für Sie die eindrücklichste Erfahrung gewesen?
Dass die Herausforderung des Abiturs alle Schüler und Lehrer des Abendgymnasiums Stuttgart gleichermaßen zusammenschweißt. Zum Ende hin haben wir Schüler uns gegenseitig sehr stark unterstützt und gemeinsam an unserem Traum gearbeitet. Auch die Lehrer waren stets für uns da.

Wir lassen sich Beruf und Abendschule unter einen Hut bringen?
Mit Disziplin, Motivation, Eifer und viel Kraft. Ferner haben die Lehrer und das Schulrektorat eine gesunde Einsicht und Verständnis für unsere Situation mitgebracht.

Was würden Sie jemandem raten, der sich überlegt, ob er diesen Weg einschlagen soll oder nicht?
Den Mut zu haben, den Versuch zu starten, denn es gibt keine bessere Schule, auf der man zum Abitur oder zur Fachhochschulreife kommt.

Wieso ist es Ihrer Meinung nach wichtig, das Abitur zu machen?
Auf dem Weg zum Abitur entwickelt man sich weiter und fängt an, sich Gedanken über Sachverhalte zu machen, über die man vorher nicht so wirklich nachgedacht hat.

Wie haben Sie sich selbst motiviert?
Durch das Rückblicken auf alte Zeiten, die nicht einfach waren. Durch das Festhalten am Traum. Mit Hilfe meiner Familie.

Was war ihr Lieblingsfach?
Mir haben alle Fächer gefallen, ich bin sehr gern ins Abendgymnasium gegangen. Am liebsten hatte ich aber Geschichte, Deutsch, Physik und Psychologie.

Haben Sie schon Pläne, was Sie als Nächstes machen wollen?
Ich bin momentan mitten in der Umsetzung meines Plans und studiere seit Oktober 2013 an der Eberhard Karls Universität Tübingen den Studiengang B.Sc. International Economics and East Asian Studies. Anschließend habe ich noch vor, den Master zu machen.